Diplomarbeit im Senegal

Also, vom 22.10. bis 19.12. sind die Melli und ich im Senegal um dort die Vorarbeit für unsere Diplomarbeit(en) zu leisten. Der Plan bisher: drei Wochen einleben und dann fünf Wochen in dem Projekt Diambars verbringen. Interviews, "teilnehmend beobachten", Infos sammeln usw. Was das dann im speziellen bedeutet erfahrt ihr hier...

Montag, Dezember 04, 2006

Nachtrag, 6.11.06, Tamba – Georgetown

Fotos von Gambia: Hier klicken
Die Übersichtskarte der Tour gibt's hier

Montag, 06.11.2006

Am nächsten Tag ging`s -wie immer im sept place- gen Gambia. Von Touba nach Georgetown, mit diversen Zwischenstopps.

„ diverse Zwischenstopps“ heißt, dass es eigentlich ziemlich umständlich war dorthin zu gelangen . . .
Direkte Verbindung gab`s keine, wer will denn auch schon „hintenrum“ nach Gambia, wo eh nix los ist. Lonely Planet und der sept-place Fahrer rieten uns nach Velingara zu fahren und dort umzusteigen Richtung Gambia. In Velingara kamen wir wieder mal an der falschen Haltestelle raus, dort wo man nur Taxis für die komplette Fahrt zu überteuerten Preisen kaufen konnte.
Es dauerte etwas, aber wenn man lange genug mit ihnen diskutiert kommen immer mehr und mehr Leute dazu, bis irgendwann der normale Preis feststeht, da wir nicht gleich beim ersten für 20000 CFA ein Taxi mieten wollten. Man sagte uns dann, dass es noch eine anderen „Bahnhof“ gäbe, von wo es weitere Verbindungen nach Gambia gibt. Wir ließen uns dorthin fahren, um gleich mit dem nächsten über den Preis zu streiten (den Teil übernahm Anne meistens, mit ihren Französischkenntnissen konnte sie da bei weitem besser argumentieren…).
Es ging hin und her und irgendwann einigten wir uns auf 10000 zu dritt, aber doch für das ganze Taxi, da es ohnehin nicht voll werden würde. Nachdem wir das Geld gezahlt hatten fragte er uns, ob wir nicht noch zwei weitere mitnehmen wollen, die würden uns aber nur jeweils 1000 geben können … also gut, besser als nix. Im Endeffekt zahlten wir 8000 CFA, knapp 13 Euro . . . und jetzt wird sich wahrscheinlich jeder der dies in Deutschland liest fragen, wieso zum Teufel wir uns so viel Stress machen um statt acht nur vier Euro pro Person zu zahlen . . . was in München nicht mal zwei U-Bahn Fahrten gleich kommt. Tja. Hmm. Keine Ahnung. Vielleicht weil’s eben doch einen Unterschied macht.
Der Rest lief Problemlos, über Sandpiste zur Grenze, Ausreisstempel Senegal, ein Stück weiter Einreisestempel Gambia und noch ein Stück bis Basse Santa Su, dem ersten Ort hinter der Grenze.
Dort mussten wir noch Geld wechseln, Dalasi heist die Währung, und zwischen hier und Farafenni (gute hundert Kilometer) gibt es sonst keine Bank mehr die das macht. An „Geldautomaten“ braucht man im Hinterland von Gambia gar nicht erst zu denken. So viel High Tech gibt`s nur in Banjul, der Hauptstadt am Meer. Dort wo auch die meisten Touristen sind.

Leider mussten wir in … eine Stunde warten, bis die Bank öffnete, brauchten ja noch Dalasis, und in Georgetown gibt’s keine Bank.
Der Bankbeamte war der wohl langsamste Mensch, der mir im Leben je untergekommen ist! Und wenn dann noch jeder Schein einzeln auf Echtheit überprüft wird…
Zu allem Überfluss war das auch noch die erste Stadt, die ich je erlebt habe, in der man Kekse nicht mal kannte.
Mit einem 5 cm dicken Packen abgegriffener Geldscheine im Gepäck, gings im- wie immer berstend vollen- Minibus Richtung Fährhafen.


Nachdem wir – mit Geld – in einem dieser weißen Minibusse Richtung Georgetown saßen war ich erstmal zufrieden und beruhigt. Viel konnte nicht mehr schief gehen. Die anderen Mitfahrer müssen auch auf die Insel, also wird die Fähre schon noch fahren, dachte ich mir. Im schlimmsten Fall verbringen wir die Nacht im Gebüsch unter dem Moskitonetz. Vielleicht lag’s ja auch an dem Faultier-Bankbeamten, dass das Land/die Leute bei mir einen sehr friedlich/freundlich/ruhigen Eindruck hinterließen.


Dort kamen wir dann, ob der Verzögerungen bei Dunkelheit an. Auf der Fähre wurden wir von –meiner und Annes Meinung nach- Monsterviechern attackiert.


Bei der „Fähre“ (…man darf sich dass alles nicht so groß vorstellen. Es war eher ein Fährchen, mit Platz für drei oder vier Autos . . . Metallfloß mit Motor würde besser passen) war`s schon dunkel, halbacht ca. Wir packten die Sachen und gingen aus dem Minibus in Richtung Motorgeräusch, dort wo der Buskassierer uns deutete. Stockfinster, Lampen gab`s keine außer der kleinen Stirnlampe die ich zum Glück griffbereit im Rucksack hatte. Wir gingen auf den Steg am Fluss und merkten dann erst, dass dies bereits die Fähre war. Melli bat mich ihr die Kleidertüte aus dem Rucksack zu geben. Das verwunderte mich etwas, der Fluss war schließlich keine 30 Meter breit. Man konnte die Lichter am anderen Ufer recht deutlich sehen. Aber gut, ich dachte mir im ärmellosen Top sind die umherfliegenden Mücken, Käfer, was auch immer das war noch unangenehmer als für mich im T-Shirt.
Während sie und Anne sich einpackten machte ich dem besoffenen Fährmann klar, dass ich ihm nicht mehr als die üblichen 15 Dalasi pro Person zahlen würde, und auch dass ich nicht gewillt war ihm eine meiner zwei „Schwestern“ zu verkaufen . . . Die Überfahrt dauerte keine zwei Minuten, meine Schwestern waren noch mit Anziehen beschäftigt, also zahlte ich für alle und wartete . . . alle waren von der Fähre runter, nur die zwei zogen im Halbunkel der wenigen Taschenlampen ihre Schuhe und Socken an . . . der Fährmann musste schon gegensteuern um von der Strömung nicht abgetrieben zu werden doch die zwei ließen sich davon nicht stören. Sie hatten noch nicht einmal gemerkt, dass wir längst da waren, als ich die Taschen vom Boden nahm und sie aufforderte sich doch etwas zu beeilen.


Die Fahrt dauerte nur wenige Minuten, was ich in meiner „ich muss JETZT sofort lange Klamotten anziehen“- Aktion gar nicht gepeilt hab und wir kamen schneller als schon befürchtet, in einem sehr schönen Campment an, wo wir für unsere Strapazen mit einem leckeren Buffet und Djembe- Tanz- Einlagen entschädigt wurden. Dann nur noch diverse Mitbewohner, Kröten, Käferli usw. aus dem Zimmer entfernt und schlafen! 

Mittwoch, November 29, 2006

Jetzt geht`s los . . .

Fotos: https://fotoalbum.web.de/gast/heiko-may/Senegal_08_Diambars

(Match in Thies am 18, Exkursion am 19., Match in Dakar am 25. und ein paar Fotos vom Training, hier im Institut Diambars)


… mit der Arbeit. Mitte letzter Woche fingen wir mit den ersten Interviews für unsere Studie an. Es lief natürlich nicht alles wie gewünscht (an „geplant“ sollte man gar nicht erst denken…) aber, im Großen und Ganzen sieht’s bisher gut aus.

Das erste (geplante) Interview fand nicht statt. In den zwölf Stunden die zwischen „Zeitpunkt ausmachen“ und „Zeitpunkt wahrnehmen“ vergingen war aus dem Interviewtermin für uns ein Für-Sie-Arbeitstermin geworden und wir verbrachten den Vormittag damit Excel Tabellen zu bearbeiten. Das war Mittwoch Vormittag . . .
Mittwoch Nachmittag machten wir den nächsten Termin aus für Donnerstag, douze heures, 12 Uhr. Wir waren schon gegen 11 Uhr in dem Zimmer welches wir dafür ausgesucht hatten und bereiteten alles vor. Mikro, Laptop, Programm öffnen, Aufnahme testen, nichts vergessen? Anschließend gingen wir nochmals den Leitfaden für das Interview durch und warteten.

Und warteten.

Und warteten.

Und warteten.

Und warteten.

Und das ging so weiter bis drei, dann griff ich zum Telefon und rief den Trainer an. „Ah, ja, tut mir leid, ich musste was zum reparieren bringen und das dauerte länger …. Bin gleich da…“

Kurz nach vier ging’s doch noch los und wurde ein recht gutes Interview über knapp 40 Minuten. Wir schnappten uns gleich den nächsten Trainer und setzten einen weiteren Termin für Freitag, 10 Uhr an.
Freitag nachmittag, nach vier Stunden Warten, sagte dieser nach dem Mittagessen wieder ab, da er noch andere Sachen vorbereiten müsse . . . dafür sprang glücklicherweise ein anderer ein, so dass wir bisher zwei Gute Interviews und von Dienstag ein ziemlich unbrauchbares haben. Doch das ist nur der Anfang.
In den nächsten zweieinhalb Wochen kommen noch ein oder zwei Lehrer dazu, der „Schuldirektor“ und etwa 10 bis 15 Interviews mit den Spielern.

Heute lief’s dann andersrum. Der Lehrer war pünktlich, aber der Strom kam zu spät, bzw. war noch nicht da. So ein bis zweimal die Woche gibt’s keinen Strom und/oder kein Wasser. Die Aufzeichnung auf Kassette mit dem Diktiergerät brach glücklicherweise nach zehn Minuten ab, da die Batterien leer waren (das extra für diesen Fall mitgenommene Netzteil half mir in dem Moment auch nicht weiter…). Die Qualität war nämlich ziemlich sch…lecht, nur Rauschen und ab und zu ein paar französische Brocken. Also verschoben wir das ganze auf …. „wenn der Strom wieder da ist ….“ und im zweiten Anlauf ging alles klar.

Davon, wie viel Arbeit wir in Deutschland noch vor uns haben, bekommen wir erst jetzt einen wirklichen Eindruck. Die Interviews müssen alle noch abgetippt, transkribiert und analysiert werden und wenn das geschafft ist (in ein bis zwei Monaten) bleiben immer noch die restlichen Teile der Diplomarbeit. Um die 40 Minuten des ersten Interviews abzutippen benötigten wir ca. 15 Stunden, und das war nur der erste, grobe Durchgang . . .

Ein wenig Abwechslung tut da ganz gut, auch wenn’s nur aus in den „Supermarkt“ gehen und Essen kaufen das nichts mit Reis oder Couscous zu tun hat besteht.
An den Strand von Saly hat’s uns bisher nur einmal verschlagen. Das reicht auch! Außer den Temperaturen und der Sonne fanden wir keinen Grund noch mal dorthin zu gehen, zumindest nicht nachmittags. Eine Hotelanlage (nicht die großen, eher so Flachbau) schließt sich an die andere und am Strand bzw. im Dorf kann man keine zehn Meter gehen ohne von nervtötenden „Freunden“ angesprochen zu werden. Dazu noch weiße Walrösser älteren Jahrgangs die auf ebenso weißen Plastikliegen in der Sonne schmoren. Die meisten davon sprechen Französisch.


Viel angenehmer und interessanter war dagegen die Exkursion zu den Kalkfelsen am Sonntag nach dem Match in Thies (19.11.). Im Rahmen des Erdkundeunterrichts fuhr eine Klasse zu einem nahe gelegenen Naturreservat um die zuvor im Unterricht besprochen Bodenformen und Gesteinsarten live zu erleben. Wir drei (Anne war auch dabei) durften mit und lernten auch noch was dazu.

Kurzum, wir sind immer noch sehr zufrieden hier und die freundschaftliche Atmosphäre macht auch vier Stunden zu spät kommen, bzw. den Termin völlig vergessen wieder gut. Je mehr wir in den Interviews über dieses Projekt erfahren, umso mehr sind wir davon begeistert. Es existiert zwar schon seit 2003, aber was heute hier steht ist erst der Anfang. Das „Diambars-Team“ hat noch viel vor …